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Wärmepumpe im Altbau nach einem Jahr

Vor gut einem Jahr habe ich meine Daiking Altherma 4 in Betrieb genommen. Hier sind die Ergebnisse.

Das Haus

Mein Haus ist ein 110m² Walmdach-Bungalow von 1961. Die Fassade ist mit 10-12cm Styrodur-Platten gedämmt. Die oberste Geschossdecke mit 30cm Holzfaser. Das Haus hat relativ große Fensterflächen, überwiegend sind 2-fach-verglaste Fenster verbaut, einige Fensterflächen sind aber 3-fach verglast.

Verbaut sind ausschließlich Radiatoren - also keine Fußbodenheizung. Als Heizlast habe ich grob 5349 W ermittelt, die Heizlastberechnung des Instalatteurs lag bei knapp 7000 W.

Der Gas-Verbrauch vor Installation der Wärmepumpe lag bei etwa 13.772 kWh bzw. 1252.6m³.

Eingebaut wurde das System von Environ Energy - einem Anbieter aus dem Umland, der PV-Anlagen und Wärmepumpen installiert und smart steuert.

Die Ergebnisse

Von August 2025 bis Ende Juli 2026 hat die Wärmepumpe insgesamt aus 3.188 kWh Strom 14.038kWh Wärmeenergie erzeugt. Das entspricht einem COP von 4,4.

Für das Brauchwasser wurden dabei aus 551,9 kWh Strom 1.820 kWh Wärmeenergie (COP 3,3), beim Heizwasser wurden aus 2.636 kWh Strom 12.218 kWh Wärmeenergie erzeugt (COP 4,63).

Im Chart zu sehen sind die jeweils Heizwasser und Brauchwasser in Balken sowie die jeweiligen Monats-COPs als Linien. Achtung: Die COPs sind auf der rechten Achse aufgetragen.

Deutlich zu erkennen ist, wie das Brauchwasser den COP nach unten zieht, da der Vorlauf der Heizung auf eine niedrigere Zieltemperatur eingestellt ist, als das Brauchwasser. Da die Effizienz von Wärmepumpen im Wesentlichen von der Zieltemperatur abhängig ist (genauer: vom Temperatur-Delta zwischen Außentemperatur und Zieltemperatur) ist dieser Effekt gut bekannt.

Vorlauftemperatur

Ich fahre zur Zeit eine Zieltemperatur von 45°C für den Heizungsvorlauf. Das ist für einen Altbau mit Radiatoren schon ein recht ordentlicher Wert. Das funktioniert besonders deshalb, weil viele meiner Radiatoren vom Typ 22 und 33 sind und damals beim Einbau schon recht großzügig dimensioniert wurden (was in Altbauten häufig der Fall ist).

Optimierungen

Für das Brauchwasser habe ich anfänglich 55°C angepeilt - mit wöchentlicher Legionellen-Desinfektion (= einmaliges Aufheizen auf 60°C um Legionellen abzutöten).

Diesen Wert habe ich im Laufe des Frühjahrs 2026 nach unten angepasst. Aktuell wird das Brauchwasser auf nur 47°C erhitzt: Das erlaubt bessere COP-Werte und hat den Wert von COP 3,7 und 3,3 (August und September 2025) auf auf etwa COP 4,0-4,2 verbessert (Zwischenstand August 2026). Die Werte hängen natürlich stark von der Außentemperatur ab, so dass ich den Effekt weiter beobachten werde.

Ob 47°C Brauchwasser-Temperatur langfristig genügen, hängt auch von unserem Duschverhalten ab, da letztlich die Brauchwasser-Temperatur zusammen mit der Größe des Brauchwasser-Tanks darüber entscheiden, wie lange und wie oft hintereinander geduscht werden kann.

Vergleich zum Gas

Gas und Wärmepumpe lassen sich am einfachsten über die Kosten vergleichen, gerade weil eine kWh Gas in der Regel erheblich günstiger ist, als eine kWh Strom.

Ich habe hier 12ct für Gas angenommen - und 32ct für Strom. Beides entspricht den letzten durchschnittlichen Preisen. Gezeigt im Chart sind jeweils komplette Heizjahre von August bis Juli, übereinandergelegt: das ungedämmte Haus mit Gas (2021/22), das gedämmte Haus mit Gas (2023/24) und das gedämmte Haus mit Wärmepumpe (2025/26).

Die Daten zeigen die Kosten je Jahr klar:

  • Vor der Dämmung der obersten Geschossdecke: 2.731€
  • Nach der Dämmung der obersten Geschossdecke: 1.653€
  • Mit Wärmepumpe: 1.055€

Die Dämmung allein hat also 1.078€ gespart (-39%). Der Wechsel auf die Wärmepumpe zusätzlich 598€ (-36%). Vergleicht man den Ausgangszustand des Hauses (Fassadendämmung aber keine Dämmung der obersten Geschossdecke, Gasheizung) mit dem Ist-Zustand (Vollständige Dämmung, Wärmepumpe), haben sich die Heizkosten um 1.676€ oder 61% reduziert.

Natürlich stammen die Daten aus unterschiedlichen Jahren - insofern sind die Daten nicht völlig vergleichbar.

Witterungsbereinigt

Hier helfen Heizgradtage (HGT): Sie zeigen je Monat auf, wie weit die Außentemperatur unter die Heizgrenze gefallen ist. Teilt man die Heizkosten durch die Heizgradtage, erhält man mit €/HGT einen witterungsbereinigten Vergleichswert.

Die folgenden Werte zeigen die Heizmonate Oktober bis April für die gleichen Heizsaisons wie oben:

Im Mittel ergeben sich 1,36€/HGT vor der Dämmung, 0,92€/HGT nach der Dämmung und 0,53€/HGT mit der Wärmepumpe. Unterm Strich wie zuvor 61% Reduktion.

Die Aufteilung verschiebt sich aber etwas: Hatten wir oben 39% Kostenersparnis durch die Dämmung und 36% durch die Wärmepumpe, sind es nun 28% durch die Dämmung und 46% durch die Wärmepumpe.

Die Analyse der Heizgradtage deutet also darauf hin, dass ein Teil der Dämm-Ersparnis durch einen milderen Winter verursacht wurde - während die Wärmepumpe ihre Ersparnis in einer vergleichsweise kalten Saison erreicht hat. Der Gesamteffekt bleibt gleich - aber die Wärmepumpe hat einen höheren Anteil als zuerst angenommen.

CO₂

Die CO₂-Reduktion lässt sieht überschlägig wie folgt aus:

 CO₂Änderung
vor Dämmung4,16 t-
nach Dämmung2,52 t-1,64 t (-39 %)
mit Wärmepumpe1,03 t-1,49 t (-59 %)
gesamt-3,14 t (-75 %)

Die CO₂-Werte für Gas wurden aus den Versorger-Angaben abgeleitet. Für die Wärmepumpe wurden 350g CO₂/kWh angenommen (deutscher Strommix).

Fazit

Insgesamt bin ich mit der Wärmepumpe sehr zufrieden:

  • JAZ von 4,4
  • Vorlauftemperatur von nur 45°C
  • Erhebliche CO² Reduktion

An Heizkosten spare ich etwa 598€ im Jahr. Außerdem fallen Gas-Grundgebühr (82€/Jahr) und Schornsteinfeger-Besuche (~70€/Jahr) weg. Das sind in Summe 750€/Jahr.

Schwieriger bemessen lässt sich, wie hoch die Ersparnis durch die PV-Anlage ist: Von Mitte April bis Mitte Oktober etwa kann ich das Brauchwasser komplett mit PV-Strom erwärmen. In Oktober, Februar und März können Teile der PV-Erträge auch die Heizwasser-Erwärmung unterstützen.

Für PV-Strom kann ich statt der 0,32€ Stromkosten 0,065€ berechnen: Das sind die Opportunitätskosten weil ich für eigengenutzten Strom keine Einspeisevergütung berechnen kann. Gehen wir von jährlich 90€ Ersparnis durch PV-Strom aus (Brauchwasser von Mitte April bis Mitte Oktober und etwas PV-Unterstützung in den genannten Monaten), komme ich in Summe auf etwa 840€ Ersparnis durch die Wärmepumpe.

Bei geschätzten Mehrkosten der Wärmepumpe von 3.000€ nach Förderung (ausgehend von 10.000€ für eine moderne Gasheizung), hätte sich das Gerät also nach gut 3,6 Jahren amortisiert.