Smarte Heizkörperthermostate - Gar nicht so smart?
Ich habe fast alle meine smarten Thermostate zu Hause wieder entfernt - warum?
Das Versprechen
Die Idee wirkt bestechend: Die Raumtemperatur maßgeschneidert nach deinen Bedürfnissen - kein abendliches Rumdrehen am Thermostat mehr; Heizung aufdrehen, bevor man nach Hause kommt.
Smarte Thermostate sind sehr populär geworden und gehören fast schon zur Standardausrüstung jedes Hausautomatisierungs-Enthusiasten. Die smarten Thermostate regeln die Raumtemperatur, lassen sich mit Programmen steuern (etwa: “tagsüber warm, abends kalt” oder “Montags arbeite ich im Büro, dann bitte aufheizen”) und aus der Ferne kontrollieren. Das ist doch sehr praktisch, oder?
Meine Erfahrung
Als wir das Haus 2019 gekauft haben, haben wir die smarten Thermostate (Hersteller: Homematic) vom Vorbesitzer übernommen. Fast jeder Raum war damit ausgestattet und ich habe die Thermostate natürlich direkt nach meinen Bedürfnissen angepasst.
Und grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden: Die Geräte erfüllen ihre Aufgabe. Wenn du aber überlegst, in solche Thermostate zu investieren, solltest du bedenken:
- Nicht jeder Raum benötigt “smarte” Thermostate: Wenn du deine Schlafzimmer konstant auf 17°C temperierst (nicht unüblich), dann kannst du das ebenso gut mit einem klassischen Thermostat erreichen. Auch die Heizung im Flur oder in anderen Nebenräumen wird sehr wahrscheinlich kein Thermostat benötigen.
- Die smarten Thermostate messen die Raumtemperatur mit einem Sensor und steuern die Ventilposition mit einem Motor: Je häufiger sie nachregeln, desto häufiger darfst du die Batterien tauschen; sie erfordern also fortwährend “Pflege”.
- Die Bewegungen des Motors können durchaus wahrnehmbare Geräusche verursachen - gerade im Schlafzimmer kann das störend sein. Und die Thermostate regeln in der Regel nicht nur alle paar Stunden nach: Verändert sich die Raumtemperatur, wird die Ventilposition immer wieder angepasst. Bei uns hat dies dazu geführt, dass ich die Thermostate nachts in allen Schlafzimmern auf 12°C runtergeregelt habe - einfach um Motorfahrten zu vermeiden.
- Feinjustierung: Zumindest bei meinem älteren Modell musste ich - gerade im Winter - auch immer mittels Offset nachjustieren: Je kälter es war, desto unzuverlässiger haben die Thermostate die richtige Temperatur gemessen und desto mehr musste ich via App nachsteuern. Und das je Thermostat - allein im Wohnbereich hatte ich 3 davon.
Die Alternative
Die Alternative ist langweilig - aber wirkungsvoll: Klassische, analoge Thermostate. Fast scheint es, als stecke hinter dem Aufkommen von digitalen, “smarten Thermostaten” ein Irrglaube: Auch analoge Thermostate regulieren die Raumtemperatur je nach gewünschtem Zielzustand. Die Stufen 1-5 kodieren gewünschte Raumtemperaturen: 12°C, 16°C, 20°C, 24°C und 28°C (kann je nach Modell abweichen). Technisch steckt in der Regel ein Dehnstoffelement (z.B. eine Wachs- oder Flüssigkeitspatrone) im Thermostatkopf: Dieses dehnt sich je nach Raumtemperatur aus und schiebt den Ventilstift ein Stück weiter heraus - das Ventil drosselt den Durchfluss, sobald die eingestellte Temperatur erreicht ist.
Um also im Schlafzimmer 17°C zu halten oder im Flur eine gewisse Minimaltemperatur einzustellen, reichen klassische Thermostate allemal. Nachdem in Flur und Schlafzimmer wieder analoge Thermostate einzogen, blieben die Geräte im Wesentlichen für Bad (morgens und abends wärmer) und Wohnzimmer (“Nachtabsenkung”) interessant.
Gleichzeitig sind Thermostate aber als Mittel zur Nachtabsenkung nur bedingt geeignet: Das sollte in aller Regel eher über die Heizungsanlage erfolgen - und selbst meine 30 Jahre alte Gasheizung konnte entsprechend konfiguriert werden.
Spätestens mit Umstieg auf Wärmepumpe wurde mir aber bewusst, wie unnötig die smarten Thermostate sind:
- Die Räume sind nach dem hydraulischen Abgleich so ausgerichtet, dass sie die gewünschte Temperatur erreichen.
- In vielen Räumen habe ich gar keine(!) Thermostate mehr: Das Heizkörperventil lässt eine voreingestellte Menge Wasser durch und im Tagesverlauf halten die Räume die Temperatur.
- Die Wärmepumpe selbst lässt sich via App leicht steuern: Programme oder Anpassung der Vorlauftemperatur: Kein Problem.
Thermostate nutze ich nur noch, wo der hydraulische Abgleich nicht perfekt greift: Im Wohnbereich sind die Heizkörperventile nach dem hydraulischen Abgleich schon auf der kleinsten Position - dennoch muss ich eine gewisse Vorlauftemperatur fahren, damit die anderen Räume auf ihre Temperatur kommen. Das Thermostat riegelt insofern im Wohnbereich ab, wenn die Wunschtemperatur erreicht wird.
Fazit: Analoge Thermostate: Ganz schön smart
Natürlich kann man weiterhin sagen: Im Badezimmer möchte ich morgens und abends zu den Kernstunden 2°C mehr fahren. Oder die Kinderzimmer sollen tagsüber fürs Spielen auf 20°C gewärmt werden und nachts auf 17°C abgekühlt werden.
Es gibt sinnvolle Anwendungsfälle - ich möchte nur eine Lanze für analoge Thermostate brechen: Eigentlich sind diese gerade im Zusammenspiel mit einer gut eingestellten Heizung und hydraulischem Abgleich schon wirklich smart: Sie regeln die Raumtemperatur, sie benötigen keine Elektronik und keinen Batteriewechsel und sind entsprechend lange einsatzfähig.